Mittwoch, 13. Dezember 2017

Rezension: "Wachstumsschmerz" von Sarah Kuttner

Titel: Wachstumsschmerz
Autorin: Sarah Kuttner
Verlag: Fischer
Seitenzahl: 288
Genre: Gegenwartsliteratur

Inhalt (Klappentext)

Luise und Flo sind ein Paar und beschließen, endlich erwachsen zu werden. Sie suchen eine Wohnung, ziehen zusammen, schaffen sich ein gemeinsames Bett an und tanzen zu Manfred Krug durch ihre neuen Zimmer. Doch nach kurzer Zeit stehen sie im Flur nebeneinander wie zwei an der Raststätte vergessene Kinder. Luise hat das Gefühl, nur Erwachsen zu spielen. Irgendwie ist dieses Leben falsch. Als ob jemand plötzlich alles verwandelt hätte, die Regeln geändert für das Leben, ab dreißig oder so. 

Meine Meinung

In dem Roman geht es um Luise, eine junge Frau Anfang dreißig, die viel an sich und ihrem Leben zweifelt und die sich immer noch nicht so richtig erwachsen fühlt. Zudem geht es um das Scheitern einer Beziehung an zuviel Nähe und um die ganzen Unsicherheiten des Lebens, die jede Entscheidung mit sich bringt. 

Ich finde, dass Sarah Kuttner die Sorgen und Ängste der Protagonistin sehr gut rübergebracht hat. Ich konnte die Gedanken von Luise sehr gut nachempfinden und auch, wenn sie oft egoistisch und launisch war, mochte ich sie dennoch für ihre Authentizität. 

Das Buch ist insgesamt recht schwermütig und bedrückend, aber dadurch nicht weniger gut. Ich mag Bücher, in denen man in die Gedankenwelt der Figuren abtauchen kann, auch wenn diese eher düster ist. 

Der Schreibstil von Sarah Kuttner ist umgangssprachlich, voll mit Metaphern und sehr nachdenklich. Mich hat er berührt und ich war wirklich beeindruckt, wie schön und treffend Kuttner bestimmte Gefühlszustände beschreiben kann. 

Lieblingszitate

"Ich finde es ein wenig schade, dass mir so dermaßen die Leidenschaft für diesen Sport (oder irgendeinen) Sport fehlt. Und während ich darüber nachdenke, was mich stattdessen im Leben hungrig macht, was mein Synonym für diese Kletterlust ist, merke ich, dass ich nicht hungrig bin. Auch nicht satt. Eher appetitlos. Ein Gefühl, als hätte ich vor dem Abendessen genascht, und nun stehe ich vor dem größten Buffet der Welt und finde all die exotischen, schönen und vor allem so reichhaltigen Speisen nur okay. Wann war ich denn überhaupt das letzte Mal so wirklich hungrig?"

"Frustrierend, wie uns die eigenen Eltern immer wieder schrumpfen lassen.
Ich nähe maßgeschneiderte Herrenanzüge im Wert von eintausend Euro pro Stück, ich bin alt genug, um zumindest theoretisch schon ein volljähriges Kind zu haben, und in dieser Küche fühle ich mich, als müsste ich nach dem Abendessen meine Zähne putzen und ins Bett."

"Trotz der zusammengeschobenen Betten könnten wir auseinandergeschobener nicht sein. Der hölzerne Rahmen der Einzelbetten verursacht nicht nur eine klaffende Besucherritze, er steht auch ein paar Zentimeter höher als die Matratzen und bildet somit eine kleine harte Mauer zwischen uns. Vollkommen überflüssig, denn eine kleine harte Mauer haben wir uns in den letzten Stunden artig selbst erarbeitet."

Bewertung

Für mich ist "Wachstumsschmerz" ein tolles, berührendes und sehr ehrliches Buch, weshalb ich es mit 5 von 5 Sternen bewerte.









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