Samstag, 30. September 2017

Rezension: "Becks letzter Sommer" von Benedict Wells

Titel: Becks letzter Sommer
Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 464
Genre: Gegenwartsliteratur

Inhalt

Der siebenunddreißigjährige Robert Beck ist von seinem Job als Deutsch- und Musiklehrer an einem Münchner Gymnasium mehr als angeödet. Eigentlich hat er von einer Musikerkarriere geträumt, die aber leider recht früh gescheitert ist. Doch dann entdeckt er in einer seiner Klassen ein unglaubliches Musiktalent: den siebzehnjährigen Litauer Rauli Kantas aus der 11b. Als sein Manager wagt er nochmal einen Versuch um seinen alten Traum zu verwirklichen. Doch das ist gar nicht so einfach, da auch andere Raulis Talent erkannt haben und um ihn werben. Zur gleichen Zeit bittet ihn sein einzig verbliebener Freund Charlie, ein siebenundzwanzigjähriger Deutschafrikaner mit Flugangst, mit ihm in seinem gelben VW zu seiner todkranken Mutter nach Istanbul zu fahren. Da sowieso gerade die Sommerferien begonnen haben und Beck die Reise gerade Recht kommt um vor seinen Liebesproblemen davonzulaufen, willigt er schließlich ein. Auch Rauli ist mit von der Partie, da er nochmal so richtig Spaß haben will, bevor der Ernst des Lebens losgeht. So beginnt ein turbulentes Abenteuer für die Drei. 

Meine Meinung

Wieder einmal war ich von Benedict Wells tiefgründigem, melancholischem und nachdenklichem Schreibstil beeindruckt. Dieses Buch ist das dritte, das ich von ihm gelesen habe und in allen drei Büchern habe ich mir so viele Textstellen markiert - einfach weil ich sie so schön und auf den Punkt getroffen fand, dass ich sie mir einprägen und immer mal wieder durchlesen möchte. 

Die Geschichte von Becks letztem Sommer, also dem Sommer, in dem er "das letzte Mal richtig gefühlt" hat, war turbulent und voller Abenteuer. Ein Sommer, in dem viel passiert ist und in dem Beck zu sich gefunden hat. Trotzdem muss ich zugeben, dass das Buch zwischenzeitlich ein paar Längen hatte und ich manchmal das Gefühl hatte, die Geschichte plätschert ein wenig vor sich hin. Es war zwar nie langweilig, aber dieses ultimative Fesselnde hat mir ein bisschen gefehlt.

Die Charaktere haben mich aber allesamt überzeugt und vor allem den Protagonisten Beck mochte ich sehr, auch wenn er nicht gerade der Sympathischste ist. Gerade die Ecken und Kanten haben ihn für mich interessant und irgendwie auch echt gemacht. Aus Rauli wird man nicht recht schlau und er bleibt einem bis zum Schluss ein Rätsel, aber genau das macht seinen Reiz aus. Charlie, Becks hypochondrischer Freund, war ebenfalls ein Charakter mit vielen Eigenheiten, den ich aber auch absolut gern hatte.

Wenn man den Klappentext liest, denkt man vielleicht, es handelt sich um eine locker-leichte Sommergeschichte, doch da täuscht man sich. Es gibt zwar viele lustige Textstellen, aber mindestens genauso viele tragische, tiefsinnige Momente, die einen etwas bedrückt zurücklassen. Mich hat das Buch auf jeden Fall sehr nachdenklich gestimmt und mir wieder bewusst gemacht, dass man nur dieses eine Leben hat und sich vielleicht auch mal etwas trauen sollte, auch wenn man nicht weiß, wie es ausgeht. 

Lieblingszitate

"Sie sind hier, weil Sie keine Entscheidungen treffen. Und das ist schlecht. Denn wenn Sie es nicht tun, dann tut´s das Leben für Sie. Und das Leben trifft oft die schlechteren Entscheidungen, weil es Schwäche und Zögern bestraft. Die Welt ist für die Mutigen gemacht, der Rest schwimmt nur mit, die meisten gehen dabei unter. Die Frage ist also: Sind Sie wenigstens ein guter Schwimmer? Denn das müssen Sie sein, wenn Sie keine Entscheidungen treffen wollen."

"Manchmal, wenn die Dinge schlecht laufen- ich bin niedergeschlagen oder hoffnungslos-, gehe ich spazieren. Und dann, einfach so, scheint die Sonne durch die Bäume, wie damals, als ich ein kleines Kind war und mit meinen Eltern durch den Englischen Garten gegangen bin, ein Eis bekommen habe und mich so sicher wie danach nie mehr gefühlt habe. Ich erinnere mich also an damals, die Sonne scheint, es ist windig und wunderschön. Dann habe ich auf einmal wieder dieses längst vergessene Gefühl, es schaffen zu können.
Mit diesem billigen Trick kriegt das Leben mich wieder rum."

"Die letzten Tage lassen ihn wieder mehr an den Tod denken. Er versucht, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn nichts mehr wäre. Er erkennt, dass das einzige Geschenk, das der Mensch hat, die Ungewissheit ist. Das Einzige, was ihn tröstet, ist, nicht zu wissen, wann er sterben wird, ob in zwanzig Minuten oder in zwanzig Jahren. Die Ungewissheit der Zeit gegen die Gewissheit des Todes."

Bewertung

Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen, vor allem durch seine echten Charaktere und den wunderschönen Schreibstil. Da es mich aber nicht durchgehend fesseln konnte, ziehe ich einen Stern ab, somit gibts 4 von 5 Sternen von mir.

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