Sonntag, 7. Mai 2017

Rezension: "Siddhartha" von Hermann Hesse

Titel: Siddhartha
Autor: Hermann Hesse
Verlag: Suhrkamp
Seitenzahl: 128 
Genre: Klassiker

Inhalt

Siddhartha, der Sohn eines Brahmanen, ist unzufrieden und auf der Suche nach Erkenntnis. Er möchte "das Innerste im Wesen" finden und begibt sich zunächst mit seinem Freund Govinda auf die Reise zu den Asketen um ein Samana, ein asketisch lebender Bettelmönch, zu werden. Doch nach einiger Zeit als Samana und der Begegnung mit Gotama, einem Buddha, der die Erleuchtung erlangt hat, merkt er, dass Erkenntnis nicht durch Lehren zu vermitteln ist und setzt seine Wanderschaft fort um alle Lehren und alle Lehrer zu verlassen und allein durchs Erleben und durch Erfahrung sein Ziel zu erreichen.

Meine Meinung

Ich habe das Buch von meiner Mutter geschenkt bekommen, die es mir wärmstens ans Herz gelegt und empfohlen hat. Leider konnte ich mich nicht ganz so sehr für die Erzählung begeistern. 

Es geht um den Brahmanensohn Siddhartha, der im Laufe des Buches eine große Entwicklung durchmacht. Auf der Suche nach Erleuchtung geht er ganz unterschiedliche Wege: von der Askese, über ein Leben in Reichtum bis hin zu einem Leben als einfacher Fährmann. Als dieser findet er schließlich seinen Frieden. Die Botschaft des Buches habe ich für mich so verstanden, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen muss und dass Fehler im Leben notwendig sind. Denn Siddhartha hat sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen und ist dabei auf Abwege geraten. Trotzdem hat er am Ende Erkenntnis erlangt und musste auch einsehen, dass er seinen Sohn nicht vor Fehlern schützen kann, denn auch dieser muss seine eigenen Erfahrungen machen. 

Siddhartha mochte ich als Charakter sehr gerne, da er sehr nachdenklich ist und ich seine innere Unruhe gut nachvollziehen konnte. Auch der Fährmann Vasudeva war mir sehr sympathisch, da er so in sich zu ruhen schien, einen ausgeglichenen Eindruck machte und Siddhartha gegenüber sehr hilfsbereit und offen war. Weitere Charaktere waren z.B. Govinda, Siddharthas Freund, der im Gegensatz zu Siddhartha immer einer Lehre folgen musste, oder Kamala, eine Kurtisane, die großen Einfluss auf Siddhartha hatte. Auch diese Beiden fand ich wichtig für die Geschichte und als Charaktere gut ausgearbeitet. 

Sicher ist das Buch voller Weisheiten und schlauer Gedanken, aber ich fand es etwas mühsam zu lesen und sehr philosophisch. Es ist kein Buch, was man mal eben nebenbei lesen kann. Ich brauchte wirklich Ruhe dafür und musste manche Sätze auch mehrfach lesen um die Bedeutung richtig aufnehmen zu können. Dadurch hat es mich auch emotional nicht so berührt, da ich immer eine gewissen Distanz empfunden habe. Dass ich mich mit dem Schreibstil so schwer tat, liegt wohl daran, dass das Buch eine sogenannte "indische Dichtung" ist und auch schon vor langer Zeit, nämlich 1922, erschienen ist.

Die Geschichte an sich gefiel mir aber ganz gut und ich habe den Weg von Siddhartha gerne verfolgt. Ich kann auch verstehen, warum das Buch so hochgelobt wird, denn die Geschichte passt auf das wahre Leben mit seinen Höhen und Tiefen und hat bis heute noch eine große Aussagekraft. 

Lieblingszitate

"Die meisten Menschen [...] sind wie ein fallendes Blatt, das weht und dreht sich durch die Luft, und schwankt, und taumelt zu Boden. Andre aber, wenige, sind wie Sterne, die gehen eine feste Bahn, kein Wind erreicht sie, in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn."

"Ich habe sündigen müssen, um wieder leben zu können. Wohin noch mag mein Weg mich führen? Närrisch ist er, dieser Weg, er geht in Schleifen, er geht vielleicht im Kreise. Mag er gehen, wie er will, ich will ihn gehen."

"Oh, war denn nicht alles Leiden Zeit, war nicht alles Sichquälen und Sichfürchten Zeit, war nicht alles Schwere, alles Feindliche in der Welt weg und überwunden, sobald man die Zeit überwunden hatte, sobald man die Zeit wegdenken konnte?"

"Wenn jemand sucht [...], dann geschieht es leicht, dass sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, dass er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist."

Bewertung

Ich bewerte dieses Buch insgesamt mit 3 von 5 Sternen, da mir die Geschichte zwar gefallen hat, ich viele Wahrheiten daraus für mich entnehmen konnte, mir der Schreibstil aber ein wenig zu philosophisch und künstlerisch und dadurch zu wenig emotional ist, sodass das Lesen mir manchmal nicht ganz soviel Freude bereitet hat.












Kommentare:

  1. Mir ging es da ähnlich wie dir. Ich fand die Schreibweise ziemlich angestaubt (und das obwohl ich viele Klassiker lese und deshalb daran gewöhnt bin!) und auch mit dem Szenario konnte ich mich nicht anfreunden.

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    1. Hallo,
      vielen Dank für deinen Kommentar :)! Da bin ich ja froh, dass ich nicht ganz alleine dastehe mit meiner Meinung. Man liest ja fast ausschließlich sehr gute Rezensionen.
      Viele Grüße, Steffi

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